Mein bisher krassestes
Erlebnis hatte ich an meinem dritten Tag in Mumbai.
Diesmal gibt es keine Fotos, dafür umso mehr Text, denn Kameras waren strikt verboten.
Diesmal gibt es keine Fotos, dafür umso mehr Text, denn Kameras waren strikt verboten.
Auf Empfehlung einer indienerfahrenen
Kommilitonin aus Fribourg habe ich mich bei „Reality Tours“ für eine Dharavi
Tour angemeldet.
„Reality Tours“ ist
eine soziale Organisation, die verschiedene Führungen durch das wahre Bombay anbieten, mit öffentlichen
Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad, oder zu Fuß. Eben jene Märkte, Tempel und
Uferpromenaden, die ich bereits eigenständig besucht habe, lassen sich dort mit
professionellen Guides in Kleingruppen absolvieren.
Das Herzstück ihres
Angebotes allerdings ist die Dharavi Slum Tour.
Dharavi ist das größte
Slum Asiens, liegt eingepfercht zwischen dem Flughafengelände, zwei
Eisenbahnstrecken, und einem verpesteten und vermüllten Sumpf, der Bombay als Schutz
gegen potenzielle Tsunamis dient. Slumdog Millionaire wurde ebenfalls hier
gedreht.
Für einen Obulus von
1000 Rs wird man auf eigene Gefahr für 4 – 5 Stunden mit in die No-Go-Area
genommen. Das Geld kommt sozialen Projekten wie dem dortigen Kindergarten und anderen
Förderungsprogrammen für die Bewohner zugute.
Wir treffen uns
morgens in Colaba, dem Touristenviertel. Unsere Gruppe besteht aus einem
reichen afrikanischen Päärchen aus dem südindischen Kerala, drei aufgeweckten
älteren Damen aus den USA, unserem Führer Dillish und mir.
Dillish ist in Dharavi
aufgewachsen, kennt sich also bestens aus, und beantwortet geduldig unsere
Fragen, während das Großraumtaxi sich in den Verkehr einfädelt.
„Wie finden die
Slumbewohner eure Touristentours? Wird das nicht als Armutssafari für Reiche
wahrgenommen?“ frage ich nach. Trotz meiner unbändigen Neugier habe ich
gemischte Gefühle.
„Nein, das ist nicht
das Ziel der Tour. Es geht darum, aufzuzeigen, wie hoch der Zusammenhalt unter
den Slumbewohnern ist, und wie produktiv sie sind.
Wir gehen schnell da durch,
wir bleiben dicht zusammen und bleiben nur dort stehen, wo ich stehen bleibe.
Wir machen keine Fotos und versuchen, niemanden zu stören. Die Privatsphäre der
Leute ist auf jeden Fall zu respektieren.
Außerdem wissen sie
inzwischen, wer wir sind und welche Projekte damit unterstützt werden. Unser Angebot
hat einen sehr guten Ruf, auch im Slum.“
Na gut. Wir fahren ca.
anderthalb Stunden durch den dichten Verkehr, Dillish kommentiert
vorbeiziehende Bauwerke und Gegenden. Wir passieren zuerst das Rotlichtviertel
Kamatipura und halten dann kurz bei den Dhobi Ghats, Bombays
Freiluft-Waschmaschiene, einem Relikt aus britischer Zeit, wo früher die
Uniformen der Soldaten gesäubert wurden.
Und noch heute sind
die unzählbar vielen rechteckigen Steinbecken voll mit Seifenlauge und
Kleidung, überall wuseln Menschen herum, waschen, schlagen, wringen
Kleidungsstücke aus. Ihre Behausen sind notdürftig zwischen den Becken und
Wasserleitungen aufgebaut.
Über dem gesamten
Gelände spannt sich ein Spinnennetz aus Wäscheleinen, behängt mit bunten
Farbklecksen aus blauen Jeans, weißen Hemden, matt-grünen Krankenhauskitteln
und leuchtenden Saris.
Noch eine gefühlte
halbe Stunde geht es über die Autobahn, dann endet die Fahrbahn im Nichts, bzw.
in einem riesigen fliegenbefallenen Müllberg, dahinter liegt ein umgekippter
Laster, wohl schon seit Jahren, quer über allen Fahrspuren.
Von hier geht es nur
zu Fuß weiter. Zu unserer Linken erstreckt sich der stinkende Sumpf, dicht von
Mangroven bewachsen, und zur Rechten der Straße sehen wir uns einem Wall aus
grau-braunen Wellblechhütten gegenüber.
Wir treten ein.
Das erste, was ich bemerke,
ist der beißende Rauch. Er ist kaum zu sehen, aber die Luft schmeckt
unverkennbar nach verbrennenden Reifen.
Der etwa zwei Meter
breite Weg besteht aus uneben festgetretener Erde mit tiefen Schlaglöchern und
Stolperfallen. An den Seiten sind unzählige Dinge gestapelt, ob Müll oder
Gebrauchsgegenstände, vermag ich nicht zu sagen.
Menschen sind überall,
tragen schwere Lasten auf dem Rücken, schieben Karren, oder stehen in den
Türrahmen und starren uns an.
„Das ist das
Arbeitsviertel.“ erklärt Dillish. „Wir befinden uns gerade beim
Plastikrecycling. Alte Plastikbehälter und -gegenstände werden in der Stadt
gesammelt oder auf der Müllhalde gesucht, hierher gebracht, geschreddert,
gewaschen, getrocknet, eingeschmolzen, und zu kleinen Pellets verarbeitet.
Diese werden dann wieder von der Industrie aufgekauft.“
Alle Prozesse sind im
großen Stil durchorganisiert. Es gibt eine hohe Arbeitsteilung und klare Rollenverteilung.
Sicherheitsstandards oder Schutz gegen die giftigen Gase und Materialien sind
unbekannt. Alles wird von Hand oder mit veralteten dieselbetriebenen Maschinen
erledigt.
Meine Vorstellung von
arbeitsloser Armut im Slum beginnt sich zu wandeln. Die Leute hier sind alle
fleißig und beschäftigt, ihre Arbeit jedoch ist mehr als undankbar. Es gibt
beispielsweise noch einen Zweig, der sich mit der Säuberung von alten Öl- und
Farbbehältern beschaftigt – die dazu notwendigen toxischen Chemikalien lagern
in abgewrackten Schuppen und werden von hustenden Arbeitern bei Bedarf einfach
am Unterhemd abgewischt.
In einer
vollgestopften Hütte, die wir durchqueren, sitzen junge Männer oberkörperfrei
bei stark gedämpften Licht vor gusseisernen Gestängen und schweißen Nähte
zusammen. Hier werden die intern gebrauchten Maschinen für die anderen Bereiche
hergestellt und überholt.
Handschuhe oder
Gesichtsmasken werden nicht verwendet. „Ein brasilianischer Ingenieur hat vor
kurzem sogar welche nach einer Tour gespendet, doch niemand will sie benutzen,
eher werden sie verkauft.“ erklärt Dillish.
Wir kommen durch eine
besser beleuchtete Halle, in der ein Dutzend junge Männer an Nähmaschinen
sitzen und Saris fertigen. Sie blicken nur kurz auf, und lassen dann wieder
flink ihre Hände über die Stoffe gleiten, während ihre wippenden Beine den
Rhythmus der Nadel angeben.
„Hier werden sehr
billige Kleidungsstücke gefertigt. Außerdem haben wir noch eine
Lederverarbeitung ein paar Straßen weiter.“ Die gefälschten Armani-Geldbörsen
und Gucci–Taschen bekomme ich später noch zu sehen.
Vorerst treten wir
jedoch in eine Art Scheune, in der sich prall gefüllte Säcke bis unter die
Decke stapeln. Dillish öffnet einen und fischt uns ein paar Plastikteile
heraus.
„Diese hier sind
bereits nach Farbe sortiert, geschreddert, gewaschen und getrocknet worden –
bereit zum Einschmelzen. Folgt mir aufs Dach, da sieht man mehr.“ Über
wackelige Leiter erreichen wir ein rechteckiges Loch, dass aus dem Wellblech
herausgeschnitten wurde. Die Sonne blendet für einen Moment, dann überblicke
ich plötzlich das gesamte Slum: Ein Flickenteppich aus Wellblech erstreckt sich
komplett um uns herum, weit in der Ferne erkennt man die Wolkenkratzer und Minarett-Türme
der modernen Stadtteile Bombays.
Vom Dach gegenüber winken
uns Jungen um die 15 Jahre. Ihre Aufgabe ist es, den ganzen Tag, auf dem Dach
zu stehen, wo die Plastikchips zum Trocknen ausgelegt sind. Hin und wieder
schlurfen sie barfuß durch die verschiedenen kleingeschredderten Farbteppiche,
um die nassen Kleinteile nach oben und die bereits getrockneten nach unten zu
mischen.
In der Nähe kann ich
auch den Schmelzofen erkennen, der eine tiefschwarze Rauchsäule in den
wolkenlosen Himmel abgibt. In den Gassen unter uns eilen Männer aller Altersklassen
umher, entweder Plastikmüll oder rostige Farbkanister auf den Rücken
geschnallt.
Von hier aus sieht das
Slum zwar immer noch beeindruckend groß aus, jedoch gemessen an seiner
flächenmäßigen Ausdehnung hätte ich die Bewohnerzahl vielleicht auf 50.000
geschätzt. In Wirklichkeit sind es über eine Million.
Den Grund für diese
Illusion erfahre ich bei unserer nächsten Etappe – dem Wohnviertel. Dillish
führt uns über staubige Wege weiter, bis wir eine tatsächlich asphaltierte
Straße mit Motorrädern, Eseln und Geschäften zu beiden Seiten erreichen. Sogar
„Dharavi Restaurant“ lese ich auf einem verstaubten Aushängeschild. Dann geht
es wieder durch verwinkelte Seitenstraßen zwischen Wellblech und niedrigen
Backsteinmauern, bis er plötzlich in einer Nische zwischen zwei Hauswänden
verschwindet. Den Spalt hätte ich im Leben nicht gesehen. Ich husche den
anderen hinterher und sehe erst mal gar nichts.
Stattdessen merke ich
wie die Gasse enger wird, ich stoße mit beiden Schultern gegen Widerstände,
muss schließlich seitwärts gehen. Auf dem immer noch unebenen Boden tappe ich
in Löcher und Pfützen; endlich erkenne ich so etwas wie Trittsteine im Schlamm.
Es riecht nach Fäkalien und etwas Unbestimmbares huscht unter bzw. zwischen
unseren Füßen vorbei. Eine Katze? Eine Ratte?
Aus unbestimmten
Richtungen hört man nahe Stimmen miteinander reden, Kinder schreien,
Kochgeschirr klappern.
Ich blicke nach oben.
Der Zwischenraum zwischen den steinernen oder blechernen Wänden ist ebenfalls mit
Wellblech überdacht, aber so langsam gewöhnen sich meine Augen an die
Finsternis.
Links und rechts
führen Eingänge in die Gebäude hinein, meist mit einem Vorhang abgedeckt, oder
man sieht schmale steile Holztreppen, die in Luken zum oberen Stockwerk
verschwinden.
Wo ein Vorhang nicht
den gesamten Eingang verdeckt, blickt man in enge vollgestellte Räume mit
kochenden oder strickenden Frauen, zu ihren Füßen mindestens zwei bis zu sechs
Kindern, die aufgeregt „Hi!“ rufen, wenn sie uns erblicken, oder uns ihre
kleinen Händchen zum Einschlagen entgegenstrecken.
Andere Kinder stehen
an einem improvisierten Kiosk und verhandeln mit den Verkäufern um kostenlose
Süßigkeiten.
Der Weg an sich
verläuft nicht geradlinig, nach jeder Wand gehen neue verwinkelte Gassen ab,
manchmal sieht man keine zwei Meter weit. Hinter manchen Hausecken kommen uns
plötzlich Gruppen von Kindern entgegen, einzelne alte Männer, hinduistische Frauen
und muslimische, aufwändig verschleiert. Wir geben unser Bestes, niemandem im
Weg zu stehen, und fühlen uns doch etwas außerirdisch in diesem Labyrinth aus
engen Gassen und kleinen Kammern voller Menschen.
Und es ist groß,
unglaublich groß. Ich bin froh, dass Dillish die Richtung zielgenau vorgibt,
und weiß, welche Sackgassen es zu vermeiden, und welche versteckten Schächte es
nehmen gilt.
Die Eindrücke auf
unserer vielleicht 20 Minuten dauernden Odyssee sind kaum wiederzugeben - die
Menschen, die Behausungen, die Temperaturen, Gerüche, Geräusche, diese komplett
unfassbar andere Realität lässt ein Gefühl zurück, das ich nicht beschreiben
kann, irgendwo zwischen Staunen und Mitgefühl.
Plötzlich kommen wir
auf eine Art kleiner Lichtung. Gegenüber steht ein vergleichsweise großer Bau,
ein gekachelter Kubus mit offenem Dach und einer Rinne zum Füßewaschen davor.
Im Innenraum hängen Bilder von hinduistischen Gottheiten, von Jesus, Buddha, ja
sogar arabische Schriftzeichen, und ein paar Teppiche finden sich auf dem
Boden.
„Der Tempel, die
Kirche und die Moschee sind zu weit entfernt für die Arbeiter, wenn sie
zwischendurch beten wollen. Darum haben wir einen gemeinsamen genutzten Andachtsraum.
Hier kommen alle Religionen zusammen, ohne Probleme.“ versichert Dillish. Es
scheint unglaublich. Aber in einer nahen Handwerkerstraße im muslimischen
Viertel wird uns sogar eine Schreinerei gezeigt, die sich auf die Produktion
von Hindu-Schreinen spezialisiert hat. Hier leben die Menschen so dicht
zusammen, dass die kulturellen Unterschiede zwangsläufig akzeptiert werden
müssen.
Das Land gehört jedoch
nicht den Menschen, die dort leben, sondern der Regierung. Jeden Tag können die
Bulldozer kommen und alles plattwalzen, jedoch entstehen dann automatisch an
anderer Stelle neue Slums, darum haben sich beide Seiten mehr oder weniger
damit abgefunden.
Dillish zeigt uns die
durchschnittliche Wohnung in Dharavi – ein einziger Raum, ca. 10 m² für eine
Familie von 4 – 6 Personen. Dort wird gekocht, geduscht und geschlafen. Und
trotzdem zahlt man in Mumbai immer noch eine Menge Geld für solch eine
Behausung.
Auf der anderen Seite
ist es nicht so unkomfortabel wie man denkt. Die Slumbewohner haben fließend
Wasser, Strom, teilweise sogar TV-Anschluss. Sie sind also nicht bettelarm,
sondern leben einfach nur sehr beengt. Die Probleme, die sich daraus ergeben,
sind vor allem hygienische und medizinische. Auch ist die Kriminalität sehr
hoch. Eine Menge Kleingangster wohnen und treffen sich hier. Alkoholismus ist
an der Tagesordnung.
Trotzdem entscheiden
sich viele, im Slum zu bleiben, selbst wenn sie gut bezahlte Jobs als Ärzte,
Anwälte oder Softwaretechniker außerhalb des Slums finden. Sie kennen nichts
anderes und haben ihr komplettes soziales Umfeld hier.
Doch die meisten haben
nicht das Glück der freien Entscheidung, arbeiten seit frühester Kindheit in
den körperlich anstrengenden Bereich, tragen Lasten, töpfern und brennen
Tonkrüge, flechten Körbe oder helfen in der Großbäckerei des Slums aus.
Ein kleines Mädchen
von allerhöchstens vier Jahren lässt unsere Gruppe dann unwillentlich ins
Staunen und Stocken geraten. Mit einer offensichtlich lang eingeübten Routine
rollt sie Teig auf einem flachen Stein aus, fegt den Fladen (den man hier Chapatti
nennt) auf einen kleinen Stapel, ölt den Stein mit einem Fingerwisch neu ein
und holt sich mit einer flinken Handbewegung den nächsten Teigklops. Erst fünf
Chapatti später bemerkt sie uns Zuschauer, schaut auf und zeigt uns ein
strahlendes Lächeln. Dann fährt sie unbeirrt fort, und Dillish zieht uns
weiter.
Kinderarbeit ist in
Indien jederzeit präsent. Wie viele Stunden sie täglich arbeiten, ist schwer zu
sagen, aber man trifft sie überall. Sie nehmen das Eintrittsgeld für
öffentliche Toiletten an Autobahnraststätten und anderen touristischen Orten
entgegen, versorgen Läden mit ausverkauften Gütern, servieren an Straßenständen
und in Cafés, fegen Straßen, entsorgen Müll, übernehmen einfache handwerkliche
Aufgaben (z.B. Kokosnüsse schälen), waschen die Wäsche der Familie am
Flussufer, verkaufen Postkarten, Blumenkränze und jeglichen Touristenramsch.
Doch dieses kleine
Mädchen in ihrer gleichmütig fleißigen Arbeit und kindlich offenkundigen Freude
über unsere Anwesenheit, ist doch nochmals ein Stich in das europäisch sozialisierte
Herz.
Die nächste Station
ist nicht besser. Wir verlassen das Häusermeer und kommen einen Platz, der
angeblich mal eine Wiese gewesen war. Die vielen Kinder hier spielen aber
längst nicht mehr auf Rasen, sondern auf einem zwei Meter hohen Müllberg. Am
Rand stehen ein paar quatschende Mütter, beobachten aus der Entfernung das
Geschehen.
Hinter der Müllkippe
erhebt sich eine hohe Betonmauer, das Ende des Slumgebietes. Auf der anderen
Seite verlaufen Bahnschienen und dahinter erheben sich mächtige Rohbauten. Das
explodierende Bombay wächst in den Himmel, um der erstarkenden Wirtschaft und der
steigenden Landflucht Herr zu werden - direkt neben einer Million Menschen, die
im Müll ihre Hütten aufgeschlagen haben und in der giftigsten Umgebung
arbeiten, die ich kenne.
Und Dharavi ist nur
ein Slum Bombays von vielen.
Noch ein paar
Straßenzüge, nun wieder etwas breiter, ein paar Slumszenen mehr, und wir finden
den Weg hinaus aus Dharavi, betreten das Büro von „Reality Tours“, trinken heißen
Chai, fragen Dillish weiter aus und spenden schließlich jeweils vierstellige
Rupienbeträge für kostenlose Kindergartenplätze, Englisch- und PC-Kurse. Diese
Kenntnisse sind die Eintrittskarte in die Welt der besseren Jobs der Stadt,
eine echte Chance auf Veränderung.
Die Rückfahrt ist
ruhiger - wir schweigen größtenteils, in unseren Eindrücken versunken.
Den Nachmittag
verbringe ich auf Empfehlung meines ehemaligen Geschichtslehrers im „Prince of
Wales Museum“, einem imposanten Bau aus englischer Zeit mit wunderschönem Garten,
stilistisch zwischen gotischer Kirche und orientalischem Palast, mitten in der
Innenstadt.
Der Besuch ist sehr
aufschlussreich und soll mir langfristig noch sehr nützlich sein, Feinheiten
der indischen Kultur besser zu verstehen und mit Detailwissen über die
hinduistische Götterwelt zu punkten.
Ein Hauch von Dharavi
bleibt meinem Gemüt jedoch den ganzen Tag anhaften, vielleicht sogar bis heute.
Die Menschen mögen komfortabler leben als ich erwartet habe, im Sinne von
Grundversorgung und Arbeitsorganisation. Dennoch leben sie in einer Welt, die
uns in jeglichen Aspekten unerträglich erscheinen würde.
Und vielleicht ist das
Schockierendste an der ganzen Erfahrung, mit was für einer selbstverständlichen
Normalität die Menschen dort ihren Alltag bestreiten. Die kleinen Sorgen, die unseren
Geist von Zeit zu Zeit belasten, sind lächerlich im Vergleich. Gebettelt wurde
übrigens kein einziges mal.
Und so bin ich auch
nicht außer mir vor Wut oder Trauer, als mein Zug nach Varanasi am Abend mit 16
Stunden Verspätung angekündigt wird. Stattdessen fahre ich zurück zum Hotel und
nehme am nächsten Tag den Bus nach Pune - früher als geplant zwar, aber voller
Vorfreude auf die neue Stadt, mein Zuhause für die nächsten zwei Monate.
Unfassbar, unglaublich und doch so real beschrieben. Diese und vermutlich noch weitere Erlebnisse werden möglicherweise Deine Sicht auf "unsere" Welt verändern, was ich sehr gut finde und von großer Bedeutung für Dein zukünftiges Leben sein wird. Vielleicht nimmst Du etwas mit und bewahrst Dir eine Form von Demut gegenüber einfachen Dingen. Aber keine weiteren moralinsauren Ansprachen mehr. Mach weiter so, wir freuen uns auf den nächsten Bericht! Die Baumbarts.
AntwortenLöschenDein Bericht hat mich traurig und nachdenklich gestimmt...Fotos waren dafür gar nicht notwendig - vielleicht auch besser so...
AntwortenLöschenDen Baumbarts kann ich nur zustimmen - mach weiter so! Ich bin gespannt auf deine nächsten Berichte :)