Mittwoch, 4. Januar 2012

Dharavi - 27.12.2011

Mein bisher krassestes Erlebnis hatte ich an meinem dritten Tag in Mumbai.

Diesmal gibt es keine Fotos, dafür umso mehr Text, denn Kameras waren strikt verboten.

Auf Empfehlung einer indienerfahrenen Kommilitonin aus Fribourg habe ich mich bei „Reality Tours“ für eine Dharavi Tour angemeldet.

„Reality Tours“ ist eine soziale Organisation, die verschiedene Führungen durch das wahre Bombay anbieten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad, oder zu Fuß. Eben jene Märkte, Tempel und Uferpromenaden, die ich bereits eigenständig besucht habe, lassen sich dort mit professionellen Guides in Kleingruppen absolvieren.

Das Herzstück ihres Angebotes allerdings ist die Dharavi Slum Tour.

Dharavi ist das größte Slum Asiens, liegt eingepfercht zwischen dem Flughafengelände, zwei Eisenbahnstrecken, und einem verpesteten und vermüllten Sumpf, der Bombay als Schutz gegen potenzielle Tsunamis dient. Slumdog Millionaire wurde ebenfalls hier gedreht.

Für einen Obulus von 1000 Rs wird man auf eigene Gefahr für 4 – 5 Stunden mit in die No-Go-Area genommen. Das Geld kommt sozialen Projekten wie dem dortigen Kindergarten und anderen Förderungsprogrammen für die Bewohner zugute.

Wir treffen uns morgens in Colaba, dem Touristenviertel. Unsere Gruppe besteht aus einem reichen afrikanischen Päärchen aus dem südindischen Kerala, drei aufgeweckten älteren Damen aus den USA, unserem Führer Dillish und mir.

Dillish ist in Dharavi aufgewachsen, kennt sich also bestens aus, und beantwortet geduldig unsere Fragen, während das Großraumtaxi sich in den Verkehr einfädelt.

„Wie finden die Slumbewohner eure Touristentours? Wird das nicht als Armutssafari für Reiche wahrgenommen?“ frage ich nach. Trotz meiner unbändigen Neugier habe ich gemischte Gefühle.

„Nein, das ist nicht das Ziel der Tour. Es geht darum, aufzuzeigen, wie hoch der Zusammenhalt unter den Slumbewohnern ist, und wie produktiv sie sind.

Wir gehen schnell da durch, wir bleiben dicht zusammen und bleiben nur dort stehen, wo ich stehen bleibe. Wir machen keine Fotos und versuchen, niemanden zu stören. Die Privatsphäre der Leute ist auf jeden Fall zu respektieren.

Außerdem wissen sie inzwischen, wer wir sind und welche Projekte damit unterstützt werden. Unser Angebot hat einen sehr guten Ruf, auch im Slum.“

Na gut. Wir fahren ca. anderthalb Stunden durch den dichten Verkehr, Dillish kommentiert vorbeiziehende Bauwerke und Gegenden. Wir passieren zuerst das Rotlichtviertel Kamatipura und halten dann kurz bei den Dhobi Ghats, Bombays Freiluft-Waschmaschiene, einem Relikt aus britischer Zeit, wo früher die Uniformen der Soldaten gesäubert wurden.

Und noch heute sind die unzählbar vielen rechteckigen Steinbecken voll mit Seifenlauge und Kleidung, überall wuseln Menschen herum, waschen, schlagen, wringen Kleidungsstücke aus. Ihre Behausen sind notdürftig zwischen den Becken und Wasserleitungen aufgebaut.

Über dem gesamten Gelände spannt sich ein Spinnennetz aus Wäscheleinen, behängt mit bunten Farbklecksen aus blauen Jeans, weißen Hemden, matt-grünen Krankenhauskitteln und leuchtenden Saris.

Noch eine gefühlte halbe Stunde geht es über die Autobahn, dann endet die Fahrbahn im Nichts, bzw. in einem riesigen fliegenbefallenen Müllberg, dahinter liegt ein umgekippter Laster, wohl schon seit Jahren, quer über allen Fahrspuren.

Von hier geht es nur zu Fuß weiter. Zu unserer Linken erstreckt sich der stinkende Sumpf, dicht von Mangroven bewachsen, und zur Rechten der Straße sehen wir uns einem Wall aus grau-braunen Wellblechhütten gegenüber.

Wir treten ein.

Das erste, was ich bemerke, ist der beißende Rauch. Er ist kaum zu sehen, aber die Luft schmeckt unverkennbar nach verbrennenden Reifen.

Der etwa zwei Meter breite Weg besteht aus uneben festgetretener Erde mit tiefen Schlaglöchern und Stolperfallen. An den Seiten sind unzählige Dinge gestapelt, ob Müll oder Gebrauchsgegenstände, vermag ich nicht zu sagen.

Menschen sind überall, tragen schwere Lasten auf dem Rücken, schieben Karren, oder stehen in den Türrahmen und starren uns an.

„Das ist das Arbeitsviertel.“ erklärt Dillish. „Wir befinden uns gerade beim Plastikrecycling. Alte Plastikbehälter und -gegenstände werden in der Stadt gesammelt oder auf der Müllhalde gesucht, hierher gebracht, geschreddert, gewaschen, getrocknet, eingeschmolzen, und zu kleinen Pellets verarbeitet. Diese werden dann wieder von der Industrie aufgekauft.“

Alle Prozesse sind im großen Stil durchorganisiert. Es gibt eine hohe Arbeitsteilung und klare Rollenverteilung. Sicherheitsstandards oder Schutz gegen die giftigen Gase und Materialien sind unbekannt. Alles wird von Hand oder mit veralteten dieselbetriebenen Maschinen erledigt.

Meine Vorstellung von arbeitsloser Armut im Slum beginnt sich zu wandeln. Die Leute hier sind alle fleißig und beschäftigt, ihre Arbeit jedoch ist mehr als undankbar. Es gibt beispielsweise noch einen Zweig, der sich mit der Säuberung von alten Öl- und Farbbehältern beschaftigt – die dazu notwendigen toxischen Chemikalien lagern in abgewrackten Schuppen und werden von hustenden Arbeitern bei Bedarf einfach am Unterhemd abgewischt.

In einer vollgestopften Hütte, die wir durchqueren, sitzen junge Männer oberkörperfrei bei stark gedämpften Licht vor gusseisernen Gestängen und schweißen Nähte zusammen. Hier werden die intern gebrauchten Maschinen für die anderen Bereiche hergestellt und überholt.

Handschuhe oder Gesichtsmasken werden nicht verwendet. „Ein brasilianischer Ingenieur hat vor kurzem sogar welche nach einer Tour gespendet, doch niemand will sie benutzen, eher werden sie verkauft.“ erklärt Dillish.

Wir kommen durch eine besser beleuchtete Halle, in der ein Dutzend junge Männer an Nähmaschinen sitzen und Saris fertigen. Sie blicken nur kurz auf, und lassen dann wieder flink ihre Hände über die Stoffe gleiten, während ihre wippenden Beine den Rhythmus der Nadel angeben.

„Hier werden sehr billige Kleidungsstücke gefertigt. Außerdem haben wir noch eine Lederverarbeitung ein paar Straßen weiter.“ Die gefälschten Armani-Geldbörsen und Gucci–Taschen bekomme ich später noch zu sehen.

Vorerst treten wir jedoch in eine Art Scheune, in der sich prall gefüllte Säcke bis unter die Decke stapeln. Dillish öffnet einen und fischt uns ein paar Plastikteile heraus.

„Diese hier sind bereits nach Farbe sortiert, geschreddert, gewaschen und getrocknet worden – bereit zum Einschmelzen. Folgt mir aufs Dach, da sieht man mehr.“ Über wackelige Leiter erreichen wir ein rechteckiges Loch, dass aus dem Wellblech herausgeschnitten wurde. Die Sonne blendet für einen Moment, dann überblicke ich plötzlich das gesamte Slum: Ein Flickenteppich aus Wellblech erstreckt sich komplett um uns herum, weit in der Ferne erkennt man die Wolkenkratzer und Minarett-Türme der modernen Stadtteile Bombays.

Vom Dach gegenüber winken uns Jungen um die 15 Jahre. Ihre Aufgabe ist es, den ganzen Tag, auf dem Dach zu stehen, wo die Plastikchips zum Trocknen ausgelegt sind. Hin und wieder schlurfen sie barfuß durch die verschiedenen kleingeschredderten Farbteppiche, um die nassen Kleinteile nach oben und die bereits getrockneten nach unten zu mischen.

In der Nähe kann ich auch den Schmelzofen erkennen, der eine tiefschwarze Rauchsäule in den wolkenlosen Himmel abgibt. In den Gassen unter uns eilen Männer aller Altersklassen umher, entweder Plastikmüll oder rostige Farbkanister auf den Rücken geschnallt.

Von hier aus sieht das Slum zwar immer noch beeindruckend groß aus, jedoch gemessen an seiner flächenmäßigen Ausdehnung hätte ich die Bewohnerzahl vielleicht auf 50.000 geschätzt. In Wirklichkeit sind es über eine Million.

Den Grund für diese Illusion erfahre ich bei unserer nächsten Etappe – dem Wohnviertel. Dillish führt uns über staubige Wege weiter, bis wir eine tatsächlich asphaltierte Straße mit Motorrädern, Eseln und Geschäften zu beiden Seiten erreichen. Sogar „Dharavi Restaurant“ lese ich auf einem verstaubten Aushängeschild. Dann geht es wieder durch verwinkelte Seitenstraßen zwischen Wellblech und niedrigen Backsteinmauern, bis er plötzlich in einer Nische zwischen zwei Hauswänden verschwindet. Den Spalt hätte ich im Leben nicht gesehen. Ich husche den anderen hinterher und sehe erst mal gar nichts.

Stattdessen merke ich wie die Gasse enger wird, ich stoße mit beiden Schultern gegen Widerstände, muss schließlich seitwärts gehen. Auf dem immer noch unebenen Boden tappe ich in Löcher und Pfützen; endlich erkenne ich so etwas wie Trittsteine im Schlamm. Es riecht nach Fäkalien und etwas Unbestimmbares huscht unter bzw. zwischen unseren Füßen vorbei. Eine Katze? Eine Ratte?

Aus unbestimmten Richtungen hört man nahe Stimmen miteinander reden, Kinder schreien, Kochgeschirr klappern.

Ich blicke nach oben. Der Zwischenraum zwischen den steinernen oder blechernen Wänden ist ebenfalls mit Wellblech überdacht, aber so langsam gewöhnen sich meine Augen an die Finsternis.

Links und rechts führen Eingänge in die Gebäude hinein, meist mit einem Vorhang abgedeckt, oder man sieht schmale steile Holztreppen, die in Luken zum oberen Stockwerk verschwinden.

Wo ein Vorhang nicht den gesamten Eingang verdeckt, blickt man in enge vollgestellte Räume mit kochenden oder strickenden Frauen, zu ihren Füßen mindestens zwei bis zu sechs Kindern, die aufgeregt „Hi!“ rufen, wenn sie uns erblicken, oder uns ihre kleinen Händchen zum Einschlagen entgegenstrecken.

Andere Kinder stehen an einem improvisierten Kiosk und verhandeln mit den Verkäufern um kostenlose Süßigkeiten.

Der Weg an sich verläuft nicht geradlinig, nach jeder Wand gehen neue verwinkelte Gassen ab, manchmal sieht man keine zwei Meter weit. Hinter manchen Hausecken kommen uns plötzlich Gruppen von Kindern entgegen, einzelne alte Männer, hinduistische Frauen und muslimische, aufwändig verschleiert. Wir geben unser Bestes, niemandem im Weg zu stehen, und fühlen uns doch etwas außerirdisch in diesem Labyrinth aus engen Gassen und kleinen Kammern voller Menschen.

Und es ist groß, unglaublich groß. Ich bin froh, dass Dillish die Richtung zielgenau vorgibt, und weiß, welche Sackgassen es zu vermeiden, und welche versteckten Schächte es nehmen gilt.

Die Eindrücke auf unserer vielleicht 20 Minuten dauernden Odyssee sind kaum wiederzugeben - die Menschen, die Behausungen, die Temperaturen, Gerüche, Geräusche, diese komplett unfassbar andere Realität lässt ein Gefühl zurück, das ich nicht beschreiben kann, irgendwo zwischen Staunen und Mitgefühl.

Plötzlich kommen wir auf eine Art kleiner Lichtung. Gegenüber steht ein vergleichsweise großer Bau, ein gekachelter Kubus mit offenem Dach und einer Rinne zum Füßewaschen davor. Im Innenraum hängen Bilder von hinduistischen Gottheiten, von Jesus, Buddha, ja sogar arabische Schriftzeichen, und ein paar Teppiche finden sich auf dem Boden.

„Der Tempel, die Kirche und die Moschee sind zu weit entfernt für die Arbeiter, wenn sie zwischendurch beten wollen. Darum haben wir einen gemeinsamen genutzten Andachtsraum. Hier kommen alle Religionen zusammen, ohne Probleme.“ versichert Dillish. Es scheint unglaublich. Aber in einer nahen Handwerkerstraße im muslimischen Viertel wird uns sogar eine Schreinerei gezeigt, die sich auf die Produktion von Hindu-Schreinen spezialisiert hat. Hier leben die Menschen so dicht zusammen, dass die kulturellen Unterschiede zwangsläufig akzeptiert werden müssen.

Das Land gehört jedoch nicht den Menschen, die dort leben, sondern der Regierung. Jeden Tag können die Bulldozer kommen und alles plattwalzen, jedoch entstehen dann automatisch an anderer Stelle neue Slums, darum haben sich beide Seiten mehr oder weniger damit abgefunden.

Dillish zeigt uns die durchschnittliche Wohnung in Dharavi – ein einziger Raum, ca. 10 m² für eine Familie von 4 – 6 Personen. Dort wird gekocht, geduscht und geschlafen. Und trotzdem zahlt man in Mumbai immer noch eine Menge Geld für solch eine Behausung.

Auf der anderen Seite ist es nicht so unkomfortabel wie man denkt. Die Slumbewohner haben fließend Wasser, Strom, teilweise sogar TV-Anschluss. Sie sind also nicht bettelarm, sondern leben einfach nur sehr beengt. Die Probleme, die sich daraus ergeben, sind vor allem hygienische und medizinische. Auch ist die Kriminalität sehr hoch. Eine Menge Kleingangster wohnen und treffen sich hier. Alkoholismus ist an der Tagesordnung.

Trotzdem entscheiden sich viele, im Slum zu bleiben, selbst wenn sie gut bezahlte Jobs als Ärzte, Anwälte oder Softwaretechniker außerhalb des Slums finden. Sie kennen nichts anderes und haben ihr komplettes soziales Umfeld hier.

Doch die meisten haben nicht das Glück der freien Entscheidung, arbeiten seit frühester Kindheit in den körperlich anstrengenden Bereich, tragen Lasten, töpfern und brennen Tonkrüge, flechten Körbe oder helfen in der Großbäckerei des Slums aus.

Ein kleines Mädchen von allerhöchstens vier Jahren lässt unsere Gruppe dann unwillentlich ins Staunen und Stocken geraten. Mit einer offensichtlich lang eingeübten Routine rollt sie Teig auf einem flachen Stein aus, fegt den Fladen (den man hier Chapatti nennt) auf einen kleinen Stapel, ölt den Stein mit einem Fingerwisch neu ein und holt sich mit einer flinken Handbewegung den nächsten Teigklops. Erst fünf Chapatti später bemerkt sie uns Zuschauer, schaut auf und zeigt uns ein strahlendes Lächeln. Dann fährt sie unbeirrt fort, und Dillish zieht uns weiter.

Kinderarbeit ist in Indien jederzeit präsent. Wie viele Stunden sie täglich arbeiten, ist schwer zu sagen, aber man trifft sie überall. Sie nehmen das Eintrittsgeld für öffentliche Toiletten an Autobahnraststätten und anderen touristischen Orten entgegen, versorgen Läden mit ausverkauften Gütern, servieren an Straßenständen und in Cafés, fegen Straßen, entsorgen Müll, übernehmen einfache handwerkliche Aufgaben (z.B. Kokosnüsse schälen), waschen die Wäsche der Familie am Flussufer, verkaufen Postkarten, Blumenkränze und jeglichen Touristenramsch.

Doch dieses kleine Mädchen in ihrer gleichmütig fleißigen Arbeit und kindlich offenkundigen Freude über unsere Anwesenheit, ist doch nochmals ein Stich in das europäisch sozialisierte Herz.

Die nächste Station ist nicht besser. Wir verlassen das Häusermeer und kommen einen Platz, der angeblich mal eine Wiese gewesen war. Die vielen Kinder hier spielen aber längst nicht mehr auf Rasen, sondern auf einem zwei Meter hohen Müllberg. Am Rand stehen ein paar quatschende Mütter, beobachten aus der Entfernung das Geschehen.

Hinter der Müllkippe erhebt sich eine hohe Betonmauer, das Ende des Slumgebietes. Auf der anderen Seite verlaufen Bahnschienen und dahinter erheben sich mächtige Rohbauten. Das explodierende Bombay wächst in den Himmel, um der erstarkenden Wirtschaft und der steigenden Landflucht Herr zu werden - direkt neben einer Million Menschen, die im Müll ihre Hütten aufgeschlagen haben und in der giftigsten Umgebung arbeiten, die ich kenne.

Und Dharavi ist nur ein Slum Bombays von vielen.

Noch ein paar Straßenzüge, nun wieder etwas breiter, ein paar Slumszenen mehr, und wir finden den Weg hinaus aus Dharavi, betreten das Büro von „Reality Tours“, trinken heißen Chai, fragen Dillish weiter aus und spenden schließlich jeweils vierstellige Rupienbeträge für kostenlose Kindergartenplätze, Englisch- und PC-Kurse. Diese Kenntnisse sind die Eintrittskarte in die Welt der besseren Jobs der Stadt, eine echte Chance auf Veränderung.



Die Rückfahrt ist ruhiger - wir schweigen größtenteils, in unseren Eindrücken versunken.



Den Nachmittag verbringe ich auf Empfehlung meines ehemaligen Geschichtslehrers im „Prince of Wales Museum“, einem imposanten Bau aus englischer Zeit mit wunderschönem Garten, stilistisch zwischen gotischer Kirche und orientalischem Palast, mitten in der Innenstadt.

Der Besuch ist sehr aufschlussreich und soll mir langfristig noch sehr nützlich sein, Feinheiten der indischen Kultur besser zu verstehen und mit Detailwissen über die hinduistische Götterwelt zu punkten.



Ein Hauch von Dharavi bleibt meinem Gemüt jedoch den ganzen Tag anhaften, vielleicht sogar bis heute. Die Menschen mögen komfortabler leben als ich erwartet habe, im Sinne von Grundversorgung und Arbeitsorganisation. Dennoch leben sie in einer Welt, die uns in jeglichen Aspekten unerträglich erscheinen würde.

Und vielleicht ist das Schockierendste an der ganzen Erfahrung, mit was für einer selbstverständlichen Normalität die Menschen dort ihren Alltag bestreiten. Die kleinen Sorgen, die unseren Geist von Zeit zu Zeit belasten, sind lächerlich im Vergleich. Gebettelt wurde übrigens kein einziges mal.



Und so bin ich auch nicht außer mir vor Wut oder Trauer, als mein Zug nach Varanasi am Abend mit 16 Stunden Verspätung angekündigt wird. Stattdessen fahre ich zurück zum Hotel und nehme am nächsten Tag den Bus nach Pune - früher als geplant zwar, aber voller Vorfreude auf die neue Stadt, mein Zuhause für die nächsten zwei Monate.

2 Kommentare:

  1. Unfassbar, unglaublich und doch so real beschrieben. Diese und vermutlich noch weitere Erlebnisse werden möglicherweise Deine Sicht auf "unsere" Welt verändern, was ich sehr gut finde und von großer Bedeutung für Dein zukünftiges Leben sein wird. Vielleicht nimmst Du etwas mit und bewahrst Dir eine Form von Demut gegenüber einfachen Dingen. Aber keine weiteren moralinsauren Ansprachen mehr. Mach weiter so, wir freuen uns auf den nächsten Bericht! Die Baumbarts.

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  2. Dein Bericht hat mich traurig und nachdenklich gestimmt...Fotos waren dafür gar nicht notwendig - vielleicht auch besser so...
    Den Baumbarts kann ich nur zustimmen - mach weiter so! Ich bin gespannt auf deine nächsten Berichte :)

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