Dienstag, 27. Dezember 2011

25.12. Erste Eindrücke

Nach diesem schmackhaften Mittagessen ging es dann zum ersten mal wirklich in diese verrückte, laute, hektische, und einfach wundervolle Stadt hinein. Beschreiben kann man das nicht.

Mumbai ist ein Ort wie keiner, an dem ich je war. So viele Menschen wie hier, ihre Sprachen, ihre Alltagsgeschäfte, ihre Bräuche – alles ist bunt, farblich und metaphorisch gesprochen.

Egal wohin man schaut, es scheint als passiere überall etwas Interessantes. Dort treiben Händler ihre Schachereien, da spuckt ein Mann roten Betelsaft quer über die Straße, ein Lastenträger rollt seinen Karren zwischen beiden hindurch, entgegen kommen zwei ins Gespräch vertiefte Frauen mit prächtigen golddurchwirkten Saris und überall hupt, klingelt oder schreit der Verkehr in den von Menschen verstopften Straßen.
In der CST Railway Station ist die Hölle los. Wer „Slumdog Millionaire“ gesehen hat, mag sich an die Endszene in diesem Bahnhof mit Tanzeinlage nach Bollywood-Manier erinnern. Auch heute sind hier unfassbar viele Menschen. Am Metalldetektor, der munter vor sich hin piept, ohne dass es irgendjemanden interessiert, stoße ich beinahe mit zwei buddhistischen Mönchen zusammen. Weiter hinten auf einem Bahnsteig fällt mir ein seltsames Schild auf, das auf extra Waggons für Behinderte und Krebskranke hinweist – inklusiver einer schematischen Krebszeichnung.



Da der Ticketschalter geschlossen ist, geht es aus dem prächtigen Gebäude, der ehemaligen Victoria Station, wieder hinaus in die „winterliche“ Hitze.



Die Filiale der Deutschen Bank wird von einer kleinen Privat-Armee blau uniformierter Wachen mit Holzknüppel bewacht, die mich darauf hinweist, dass sonntags geschlossen ist. Warum man dann trotzdem so viele Aufpasser braucht, bleibt mir unverständlich.

Dann plötzlich, eine Seitengasse weiter, säumen hohe exotische Bäume eine ruhige Straße. Alte verfallene Herrschaftshäuser im Kolonialstil geben dem ganzen eine Indiana-Jones-hafte Dschungel-Stimmung. Katzen balancieren auf den Dächern und trinken munter aus den Regenrinnen, während eine Frau einen großen Korb auf ihrem Kopf balanciert. An einem kleinen Shiva-Schrein bleibt sie stehen, legt ihre Handflächen zum kurzen Gebet aneinander, zieht weiter. Hinter der nächsten Ecke weiderum türmen sich Müllberge auf dem Bürgersteig. Darin vergraben sitzen eine Frau und ein Mann, suchen nach wertvollen oder zumindest verwertbaren Überresten.

Noch eine Abzweigung weiter komme ich wieder zu einer Hauptstraße. An dessen Rand wartet ein überladener Stand, der Zuckerrohrlimonade verkauft. Die Zuckerrohrstangen lagern auf dem Dach, werden von Hand geschält und mit einer antik anmutenden Gusseisen-Maschine gepresst, mit Zitronensaft vermengt und als kiwi-farbener dickflüssiger Saft aus Gläsern verkauft.

Als ich die große Menge trinkender Inder sehe, steigt mein Mut. Das Getränk für 10 Rs ist ausgesprochen lecker und erfrischend in der Mittagshitze, erinnert mich irgendwie an eine Art nicht-alkoholischen Caipirinha – klar, Rohrzucker + Limettensaft.


Dann wieder enge Gassen, in denen kleine Kinder zwischen hupenden Autos und gemächlich trottenden Kühen Cricket spielen. Ein alter brauner Tennisball und ein Palmenzweig reichen vollkommen aus, um Spaß zu haben.

Dazu gibt es eine unglaublich große Palette an Gerüchen – von lecker oder verführerisch über fremd bzw. unbestimmbar würzig bis hin zu ekelerregend. Am liebsten ist mir jedoch der Sandelholzduft, der einem immer wieder, teilweise an den ungewöhnlichsten Orten, vom Wind zugetragen wird.

Indien, das Land der Gerüche.

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