Nach diesem
schmackhaften Mittagessen ging es dann zum ersten mal wirklich in diese
verrückte, laute, hektische, und einfach wundervolle Stadt hinein. Beschreiben
kann man das nicht.
Mumbai ist ein Ort wie
keiner, an dem ich je war. So viele Menschen wie hier, ihre Sprachen, ihre
Alltagsgeschäfte, ihre Bräuche – alles ist bunt, farblich und metaphorisch
gesprochen.
Egal wohin man schaut,
es scheint als passiere überall etwas Interessantes. Dort treiben Händler ihre
Schachereien, da spuckt ein Mann roten Betelsaft quer über die Straße, ein
Lastenträger rollt seinen Karren zwischen beiden hindurch, entgegen kommen zwei
ins Gespräch vertiefte Frauen mit prächtigen golddurchwirkten Saris und überall
hupt, klingelt oder schreit der Verkehr in den von Menschen verstopften
Straßen.
In der CST Railway Station
ist die Hölle los. Wer „Slumdog Millionaire“ gesehen hat, mag sich an die
Endszene in diesem Bahnhof mit Tanzeinlage nach Bollywood-Manier erinnern. Auch
heute sind hier unfassbar viele Menschen. Am Metalldetektor, der munter vor
sich hin piept, ohne dass es irgendjemanden interessiert, stoße ich beinahe mit
zwei buddhistischen Mönchen zusammen. Weiter hinten auf einem Bahnsteig fällt
mir ein seltsames Schild auf, das auf extra Waggons für Behinderte und
Krebskranke hinweist – inklusiver einer schematischen Krebszeichnung.
Da der Ticketschalter
geschlossen ist, geht es aus dem prächtigen Gebäude, der ehemaligen Victoria
Station, wieder hinaus in die „winterliche“ Hitze.
Die Filiale der
Deutschen Bank wird von einer kleinen Privat-Armee blau uniformierter Wachen
mit Holzknüppel bewacht, die mich darauf hinweist, dass sonntags geschlossen
ist. Warum man dann trotzdem so viele Aufpasser braucht, bleibt mir
unverständlich.
Dann plötzlich, eine
Seitengasse weiter, säumen hohe exotische Bäume eine ruhige Straße. Alte
verfallene Herrschaftshäuser im Kolonialstil geben dem ganzen eine
Indiana-Jones-hafte Dschungel-Stimmung. Katzen balancieren auf den Dächern und
trinken munter aus den Regenrinnen, während eine Frau einen großen Korb auf
ihrem Kopf balanciert. An einem kleinen Shiva-Schrein bleibt sie stehen, legt
ihre Handflächen zum kurzen Gebet aneinander, zieht weiter. Hinter der nächsten
Ecke weiderum türmen sich Müllberge auf dem Bürgersteig. Darin vergraben sitzen
eine Frau und ein Mann, suchen nach wertvollen oder zumindest verwertbaren
Überresten.
Noch eine Abzweigung
weiter komme ich wieder zu einer Hauptstraße. An dessen Rand wartet ein
überladener Stand, der Zuckerrohrlimonade verkauft. Die Zuckerrohrstangen
lagern auf dem Dach, werden von Hand geschält und mit einer antik anmutenden
Gusseisen-Maschine gepresst, mit Zitronensaft vermengt und als kiwi-farbener
dickflüssiger Saft aus Gläsern verkauft.
Als ich die große
Menge trinkender Inder sehe, steigt mein Mut. Das Getränk für 10 Rs ist
ausgesprochen lecker und erfrischend in der Mittagshitze, erinnert mich
irgendwie an eine Art nicht-alkoholischen Caipirinha – klar, Rohrzucker +
Limettensaft.
Dann wieder enge
Gassen, in denen kleine Kinder zwischen hupenden Autos und gemächlich
trottenden Kühen Cricket spielen. Ein alter brauner Tennisball und ein Palmenzweig
reichen vollkommen aus, um Spaß zu haben.
Dazu gibt es eine
unglaublich große Palette an Gerüchen – von lecker oder verführerisch über
fremd bzw. unbestimmbar würzig bis hin zu ekelerregend. Am liebsten ist mir
jedoch der Sandelholzduft, der einem immer wieder, teilweise an den ungewöhnlichsten
Orten, vom Wind zugetragen wird.
Indien, das Land der
Gerüche.
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