Wow! Bombay ist
unglaublich, kaum in Worte zu fassen.
Ich weiß nur, dass es
mir hier gefällt. Bin ich verrückt, wenn es sich hier mehr danach anfühlt,
zuhause zu sein anstatt in der Fremde?
Aber der Reihe nach,
die Reise verlief ja nicht gerade nach Plan…
Freitag Abend machte
ich mich also auf die Reise und nahm den letzten Zug nach Genf, um morgens
rechtzeitig einzuchecken zu können. Die Nacht auf dem vorweihnachtlichen
Flughafen war eher unterdurchschnittlich gemütlich, vor allem ob der Sorge um
Hab und Gut, von Laptop bis Bargeld.
Von Genf nach Zürich
verging die Reisezeit wortwörtlich wie im Flug - kaum hatten wir Reisehöhe
erreicht, meldete sich der Captain, teilte uns witzigerweise mit, dass wir uns
nun über Fribourg befinden und zum Landeanflug ansetzen. Als er die Ansage auf
Englisch wiederholte, waren wir bereits über Bern. So klein ist die Schweiz.
Mit dem Handgepäck
gings es nun also nochmal in die Duty-Free-Zone in Zürich, wo man u.a.
exzellente Schweizer Schokolade feilgeboten bekommt, was ich direkt als
brauchbares Gastgeschenk deutete. Wie gut diese nun mit den Temperaturen
zurecht kommt, werde ich spätestens in Pune erfahren…
Der Airport Zurich ist
bermerkenswert grösser als Genf. Zum jeweiligen Gate wird man mit einer Art
kitschiger U-Bahn befördert, in der fernklingendes Gejodel und
hinterschwelliges Kuhglockengebimmel jegliche Touristenherzen höher schlägen
lässt. Die Tür öffnet sich dann zu einem langgezogenen „Muuuh!“. Die Hindus
hier wären begeistert!
Nach diesem ersten
Kulturschock ging‘s dann ab in den Flieger, eine vollbesetzte Maschiene voller
Inder – und mir. Welcher Europäer ist schließlich so blöd, den kompletten
Weihnachtstag im Flugzeug zu verbringen?
Das muss sich
zumindest unser Pilot gedacht haben, denn kurz nach Istanbul drehte er
„aufgrund eines technischen Problems“ kurzerhand um und flog zurück nach
Zürich. In der allgemeinen Entrüstung lernte ich meinen Nebensitzer kennen,
Siddarth, ein Bombayer, der seit ein paar Jahren im schweizerischen Kanton Zug
für eine grosse Trading-Firma arbeitet. Stahl, Nickel, Kobalt – aus Afrika oder
Brasilien nach Indien, Russland oder China – oder je nach Preislage auch
umgekehrt.
Seine Bekanntschaft
sollte mir später noch sehr nützlich sein, doch vorerst unterhielten wir uns
über gemeinsam gelesene Bücher wie Shantaram und Siddhartha, über den
Unterschied zwischen indischen und europäischen Frauen, und natürlich über
Indien.
Glücklicherweise hatte
man schnell einen Ersatzflug gefunden, der alle Passagiere mit ca. 8 Stunden
Verspätung doch noch nach Bombay fliegen sollte. Die breite Videothek der Swiss
International Airline kommt in solchen Situationen mehr als gelegen. Vor allem
den Film „Beginners“ kann ich sehr empfehlen. Das Flugzeugmenü hingegen eher
nicht. Zweimal Weihnachtstruthahn aus der Alufolie muss echt nicht sein…
Alles andere lief dann
jedoch problemlos. Und der zauberhaft schöne nächtliche Blick auf Istanbul,
Teheran und Bombay kann für so manches entschädigen.
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