Dienstag, 27. Dezember 2011

24./25.12. Travel Trouble

Wow! Bombay ist unglaublich, kaum in Worte zu fassen.
Ich weiß nur, dass es mir hier gefällt. Bin ich verrückt, wenn es sich hier mehr danach anfühlt, zuhause zu sein anstatt in der Fremde?

Aber der Reihe nach, die Reise verlief ja nicht gerade nach Plan…

Freitag Abend machte ich mich also auf die Reise und nahm den letzten Zug nach Genf, um morgens rechtzeitig einzuchecken zu können. Die Nacht auf dem vorweihnachtlichen Flughafen war eher unterdurchschnittlich gemütlich, vor allem ob der Sorge um Hab und Gut, von Laptop bis Bargeld.

Von Genf nach Zürich verging die Reisezeit wortwörtlich wie im Flug - kaum hatten wir Reisehöhe erreicht, meldete sich der Captain, teilte uns witzigerweise mit, dass wir uns nun über Fribourg befinden und zum Landeanflug ansetzen. Als er die Ansage auf Englisch wiederholte, waren wir bereits über Bern. So klein ist die Schweiz.

Mit dem Handgepäck gings es nun also nochmal in die Duty-Free-Zone in Zürich, wo man u.a. exzellente Schweizer Schokolade feilgeboten bekommt, was ich direkt als brauchbares Gastgeschenk deutete. Wie gut diese nun mit den Temperaturen zurecht kommt, werde ich spätestens in Pune erfahren…

Der Airport Zurich ist bermerkenswert grösser als Genf. Zum jeweiligen Gate wird man mit einer Art kitschiger U-Bahn befördert, in der fernklingendes Gejodel und hinterschwelliges Kuhglockengebimmel jegliche Touristenherzen höher schlägen lässt. Die Tür öffnet sich dann zu einem langgezogenen „Muuuh!“. Die Hindus hier wären begeistert!

Nach diesem ersten Kulturschock ging‘s dann ab in den Flieger, eine vollbesetzte Maschiene voller Inder – und mir. Welcher Europäer ist schließlich so blöd, den kompletten Weihnachtstag im Flugzeug zu verbringen?

Das muss sich zumindest unser Pilot gedacht haben, denn kurz nach Istanbul drehte er „aufgrund eines technischen Problems“ kurzerhand um und flog zurück nach Zürich. In der allgemeinen Entrüstung lernte ich meinen Nebensitzer kennen, Siddarth, ein Bombayer, der seit ein paar Jahren im schweizerischen Kanton Zug für eine grosse Trading-Firma arbeitet. Stahl, Nickel, Kobalt – aus Afrika oder Brasilien nach Indien, Russland oder China – oder je nach Preislage auch umgekehrt.

Seine Bekanntschaft sollte mir später noch sehr nützlich sein, doch vorerst unterhielten wir uns über gemeinsam gelesene Bücher wie Shantaram und Siddhartha, über den Unterschied zwischen indischen und europäischen Frauen, und natürlich über Indien.

Glücklicherweise hatte man schnell einen Ersatzflug gefunden, der alle Passagiere mit ca. 8 Stunden Verspätung doch noch nach Bombay fliegen sollte. Die breite Videothek der Swiss International Airline kommt in solchen Situationen mehr als gelegen. Vor allem den Film „Beginners“ kann ich sehr empfehlen. Das Flugzeugmenü hingegen eher nicht. Zweimal Weihnachtstruthahn aus der Alufolie muss echt nicht sein…

Alles andere lief dann jedoch problemlos. Und der zauberhaft schöne nächtliche Blick auf Istanbul, Teheran und Bombay kann für so manches entschädigen.

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