Auch noch mehr als vier Monate nach meiner Rückehr aus Indien bleibt das Gefühl von Dankbarkeit und Verzauberung stärker als jede einzelne Episode meiner Reise. So vieles ist unerzählt geblieben, manches schon wieder unfreiwillig vergessen und das meiste sicherlich nicht einmal bewusst wahrgenommen. Doch all diese Eindrücke zusammen bilden ein unvergleichliches Gefühl, eine Wehmut und Abenteuerlust, ein Stolz, eine Liebe, eine Empfindung, die man so allumfassend kaum beschreiben kann und sich in dieser Form erst nach einer gewissen Zeit und etwas Abstand zum Geschehenen einstellt.
Wir Indiengereisten erkennen einander, nicht vorrangig an den Geschichten und Anekdoten, die wir uns erzählen, aber den Blicken, den abwesend glänzenden Augen, dem in einer anderen Zeit, einer anderen Realität versunkenen Blick und dem leicht wehmütigen Lächeln. Es verbindet einen weniger der Besuch gleicher Orte als das ähnliche Gefühl, das dieses Wunderland in einem zurücklässt - denn anders kann es einem rückblickend kaum erscheinen - und so gibt man auch recht bald das Sinnieren, Gestikulieren oder gar Prahlen auf und bleibt stattdessen schweiged zurück, nebeneinander auf der selben Welle wogenden, den gleichen und doch individuell verschiedenen Erfahrungen und Erinnerungen nachhängend.
Und dann doch, manchmal zur unwahrscheinlichsten Stunde kommt ein Augenblick, ein glasklarer Moment aus der Tiefe herauf und ist wieder ganz spürbar. Für mich persönlich sind es vor allem die Menschen, die zu jener besonderen Zeit an jenem besonderen Ort kennengelernt habe, und derer einige (der modernen Technik sei Dank) immer noch mit mir in Kontakt stehen, wo auch immer in der Welt verstreut sie sich auch befinden mögen.
An dieser Stelle sei einer von gefühlten tausend gemeinsamen Abenden unserer Gemeinschaft exemplarisch herausgegriffen:
Einer jeder ist mir noch gut im Gedächtnis, zu jedem fällt mir noch eine Geschichte oder ein Witz ein. Vertretene Nationen umfassen: Russland, Deutschland, Indien, China, Japan, Taiwan, Niederlande, Türkei, Ägypten, Tunesien, Tschechien, Dänemark, Italien und Kolumbien.
AIESEC hat mir hier auch auf ganz pragmatische und reale Art gezeigt wie widersinnig Spaltung in Grenzen, Ethnien und Religionen ist - die Menschen, die ich kennenlernen durfte, egal welcher Herkunft, waren alle gleich liebenswürdig, offen, ihrem Wesen nach gut. Dass wir über grösste Grenzen hinweg alle Brüder und Schwestern sind, im Kern gleich, alle eins, das ist nicht zuletzt eine sehr indische, östliche Philosophie, die mir hier am Beispiel meiner Mitbewohner klar geworden ist.
Doch auch bei zahlreichen Begegnungen mit Einheimischen ist mir die Gastfreundschaft, Freude, Neugier am Kontakt sehr positiv aufgefallen. Anbei ein typisches Bild von einem unserer Ausflüge, hier in Ellora, als wir wieder einmal VIP-verdächtig um ein gemeinsames Foto gebeten wurden, das dann meistens ganz aufgeregt mit einer halb zerstörten Handykamera eines uralten Nokiamodells geschossen wird:
Oder diese eine Nacht in Aurangabad, also wir gegen Mitternacht nach dem himmlischen Abendessen unter Sternenhimmel zu unserem Hostel zurüklaufen und in der nächtlichen Wärme ein paar Kinder auf der Strasse Federball spielen sehen. Mit lachenden Gesichtern kommen sie auf uns zugestürmt und ein besonders verwegenes Mädchen drückt mir keck ihren abgegriffenen Schläger in die Hand, woraufhin ich mit den Kleinen einige Minuten zwar keine Gespräche, doch immerhin flinke Bälle austausche - das Spiel als universelle Kommunikation, die keiner Worte bedarf.
Dieses unbekümmert-spontane Erlebnis hat mich - ich kann nicht sagen warum - wirklich tief gerührt und unsäglich viel Freude gemacht.
Oder in der Shopping-Mall, als ich dachte, ich müsste wohl vor Lachen sterben, weil ich mich von meinem ägyptischen Kollegen dazu habe überreden lassen, eine 10-minütige Fisch-Pediküre auszuprobieren und die kleinen Biester unfassbar fies kitzeln, während sie dir zu Dutzenden die Füße abnuckeln.
Auch meinen täglichen Fluchtpunkt, die Dachterasse unseres Firmenkomplexes vermisse ich sehr. Jeden Tag nach dem Essen in der brüllenden Mittagshitze einen Chai zu trinken, gemütlich in einem mitgebrachten Buch zu blättern oder einfach den Blick über das allumfassende, wuselig fleissige Slum schweifen zu lassen so wie ein leidenschaftlicher Entomologe einen aufgeregten Ameisenhaufen fasziniert betrachten würde, war mir eine mehr als liebgewonnene Gewohnheit in meiner eigenen Arbeitspause geworden.
Und dann erst die allgegenwärtigen Tiere, zum Beispiel die uns evolutionär nahestehenden:
... aber auch die weiter entfernten, aber dafür überaus heiligen:
Oder dieser eine frühe Aufbruch zu unserer Wanderexkursion, als weit und breit nur eine einzige Rikshaw aufzutreiben war und wir den Fahrer nach einigen harten Verhandelungen und nicht ganz jungendfreien Flüchen doch noch dazu überreden konnten, uns zu siebt inklusive Gepäck in dem kleinen Gefährt (in der Grösse etwa vergleichbar mit einem Smart) zum Busbahnhof zu kutschieren.
Den flachen Hügel hinauf hätten wir beinahe schieben müssen, aber unsere Stimmung war trotz der Morgenkühle brasilianisch ausgelassen, scherzend und singend: "Ai si tu pego..."
Der anschliessende Bus ist dann hemmungslos im Vormittagsverkehr steckengeblieben und als wir endlich die Bergbesteigung zum Torna Fort nahe Prachandagad begannen, war schon die mitleidlose Mittagssonne aufgezogen. Vollkommen dehydriert haben wir auf dem Gipfel nach 4 Stunden Aufstieg dann mehrere Becher lauwarmer trüber Brühe aus einem grossen rostigen Bottich von einem einsamen indischen Wasserhändler abkauft und entgegen aller Vernunft leidenschaftlich und ungeduldig heruntergestürzt.
Wäre es meine erste Woche in Indien gewesen, die Keime hätten mich bestimmt gekillt. Doch ich blieb auf wundersame Weise gesund und die atemberaubende Aussicht mit gestilltem Durst zu geniessen, war einfach umwerfend!
Aufgrund der Verspätung war der letzte Bus zurück dann jedoch schon abgefahren - wir steckten also mitten in der Pampa in einem kleinen Dorf mit maximal 80 Einwohnern am Fusse des Berges fest. Was tun? Wir klagten allen Besitzern eines motorisierten Wagens unser Leid (das waren insgesamt zwei Betroffene), doch beide wollten uns nicht mitnehmen. Sofort enstand ein Tumult, Leute riefen durcheinander, Kinder rannten umher, verständigten andere Kinder, dann Greise, dann wieder Kinder. Sie schwärmten aus und kamen wieder, wir bekamen in dem Durcheinandern nun gar nichts mehr mit, da in der Landbevölkerung niemand ein Wort Englisch sprechen konnte. Seltsamerweise überkam uns keinerlei Panik oder Unbehagen. Wie gesagt, es war nicht unsere erste Woche, sondern eine der letzten, und wir wussten bereits, dass in Indien alles irgendwie, irgendwann funktioniert - auch wenn das Chaos am Anfang eindrücklich zu überwiegen scheint.
Und siehe da, es wurde tatsächlich jemand geholt, bzw. gleich fünf, auf ein und dem selben Motorad sitzend, alle hintereinander auf dem ledernen Bock wie Sardinen in der Dose. Einer konnte sogar etwas Englisch und vermittelte uns eine Mitfahrgelegenheit in einem Kleintransporter voller Kisten und Kanister. Schnell noch ein Brett als Sicherung fixiert und schon ist das improvisierte Taxi fertig.
Es war zwar mächtig eng und nach zwei Stunden Fahrt über holprige Landstrasse mochten unsere Hintern die eiserne Ladefläche auch nicht mehr gern unter sich spüren - dazu fielen uns bei jedem zweiten Schlagloch die Transportgüter auf den Kopf, die wir aus Platzgründen mühsam an der Fahrerkabinenwand aufgestapeln mussten - jedoch blieb unsere Laune ungetrübt vergnügt und heiter.
Und noch bevor wir schliesslich die Hauptstrasse und damit auch die rettende Busanbindung erwischten, duften wir aus unserem Laderaum heraus noch zufällig Zeuge und Gast einer nächtlichen Hochzeitsprozession werden, in der wir nur schleppend vorankamen und die uns mit johlenden Rufen und wehenden Farbpulvern kanonengleich salutierte und begrüsste. Ein Ausflug, den ich so schnell nicht vergessen werde!
Oh, du wunderschönes Indien, wie mich deine Fremdartigkeit Staunen macht, deine Magie in den Bann zieht!

Du, mein Indien, ich verrate dir ein freudiges Geheimnis...
Ich komme wieder !!!
Wir Indiengereisten erkennen einander, nicht vorrangig an den Geschichten und Anekdoten, die wir uns erzählen, aber den Blicken, den abwesend glänzenden Augen, dem in einer anderen Zeit, einer anderen Realität versunkenen Blick und dem leicht wehmütigen Lächeln. Es verbindet einen weniger der Besuch gleicher Orte als das ähnliche Gefühl, das dieses Wunderland in einem zurücklässt - denn anders kann es einem rückblickend kaum erscheinen - und so gibt man auch recht bald das Sinnieren, Gestikulieren oder gar Prahlen auf und bleibt stattdessen schweiged zurück, nebeneinander auf der selben Welle wogenden, den gleichen und doch individuell verschiedenen Erfahrungen und Erinnerungen nachhängend.
Und dann doch, manchmal zur unwahrscheinlichsten Stunde kommt ein Augenblick, ein glasklarer Moment aus der Tiefe herauf und ist wieder ganz spürbar. Für mich persönlich sind es vor allem die Menschen, die zu jener besonderen Zeit an jenem besonderen Ort kennengelernt habe, und derer einige (der modernen Technik sei Dank) immer noch mit mir in Kontakt stehen, wo auch immer in der Welt verstreut sie sich auch befinden mögen.
An dieser Stelle sei einer von gefühlten tausend gemeinsamen Abenden unserer Gemeinschaft exemplarisch herausgegriffen:
Einer jeder ist mir noch gut im Gedächtnis, zu jedem fällt mir noch eine Geschichte oder ein Witz ein. Vertretene Nationen umfassen: Russland, Deutschland, Indien, China, Japan, Taiwan, Niederlande, Türkei, Ägypten, Tunesien, Tschechien, Dänemark, Italien und Kolumbien.
AIESEC hat mir hier auch auf ganz pragmatische und reale Art gezeigt wie widersinnig Spaltung in Grenzen, Ethnien und Religionen ist - die Menschen, die ich kennenlernen durfte, egal welcher Herkunft, waren alle gleich liebenswürdig, offen, ihrem Wesen nach gut. Dass wir über grösste Grenzen hinweg alle Brüder und Schwestern sind, im Kern gleich, alle eins, das ist nicht zuletzt eine sehr indische, östliche Philosophie, die mir hier am Beispiel meiner Mitbewohner klar geworden ist.
Doch auch bei zahlreichen Begegnungen mit Einheimischen ist mir die Gastfreundschaft, Freude, Neugier am Kontakt sehr positiv aufgefallen. Anbei ein typisches Bild von einem unserer Ausflüge, hier in Ellora, als wir wieder einmal VIP-verdächtig um ein gemeinsames Foto gebeten wurden, das dann meistens ganz aufgeregt mit einer halb zerstörten Handykamera eines uralten Nokiamodells geschossen wird:
Oder diese eine Nacht in Aurangabad, also wir gegen Mitternacht nach dem himmlischen Abendessen unter Sternenhimmel zu unserem Hostel zurüklaufen und in der nächtlichen Wärme ein paar Kinder auf der Strasse Federball spielen sehen. Mit lachenden Gesichtern kommen sie auf uns zugestürmt und ein besonders verwegenes Mädchen drückt mir keck ihren abgegriffenen Schläger in die Hand, woraufhin ich mit den Kleinen einige Minuten zwar keine Gespräche, doch immerhin flinke Bälle austausche - das Spiel als universelle Kommunikation, die keiner Worte bedarf.
Dieses unbekümmert-spontane Erlebnis hat mich - ich kann nicht sagen warum - wirklich tief gerührt und unsäglich viel Freude gemacht.
Oder in der Shopping-Mall, als ich dachte, ich müsste wohl vor Lachen sterben, weil ich mich von meinem ägyptischen Kollegen dazu habe überreden lassen, eine 10-minütige Fisch-Pediküre auszuprobieren und die kleinen Biester unfassbar fies kitzeln, während sie dir zu Dutzenden die Füße abnuckeln.
Auch meinen täglichen Fluchtpunkt, die Dachterasse unseres Firmenkomplexes vermisse ich sehr. Jeden Tag nach dem Essen in der brüllenden Mittagshitze einen Chai zu trinken, gemütlich in einem mitgebrachten Buch zu blättern oder einfach den Blick über das allumfassende, wuselig fleissige Slum schweifen zu lassen so wie ein leidenschaftlicher Entomologe einen aufgeregten Ameisenhaufen fasziniert betrachten würde, war mir eine mehr als liebgewonnene Gewohnheit in meiner eigenen Arbeitspause geworden.
Und dann erst die allgegenwärtigen Tiere, zum Beispiel die uns evolutionär nahestehenden:
... aber auch die weiter entfernten, aber dafür überaus heiligen:
Oder dieser eine frühe Aufbruch zu unserer Wanderexkursion, als weit und breit nur eine einzige Rikshaw aufzutreiben war und wir den Fahrer nach einigen harten Verhandelungen und nicht ganz jungendfreien Flüchen doch noch dazu überreden konnten, uns zu siebt inklusive Gepäck in dem kleinen Gefährt (in der Grösse etwa vergleichbar mit einem Smart) zum Busbahnhof zu kutschieren.
Den flachen Hügel hinauf hätten wir beinahe schieben müssen, aber unsere Stimmung war trotz der Morgenkühle brasilianisch ausgelassen, scherzend und singend: "Ai si tu pego..."
Der anschliessende Bus ist dann hemmungslos im Vormittagsverkehr steckengeblieben und als wir endlich die Bergbesteigung zum Torna Fort nahe Prachandagad begannen, war schon die mitleidlose Mittagssonne aufgezogen. Vollkommen dehydriert haben wir auf dem Gipfel nach 4 Stunden Aufstieg dann mehrere Becher lauwarmer trüber Brühe aus einem grossen rostigen Bottich von einem einsamen indischen Wasserhändler abkauft und entgegen aller Vernunft leidenschaftlich und ungeduldig heruntergestürzt.
Wäre es meine erste Woche in Indien gewesen, die Keime hätten mich bestimmt gekillt. Doch ich blieb auf wundersame Weise gesund und die atemberaubende Aussicht mit gestilltem Durst zu geniessen, war einfach umwerfend!
Aufgrund der Verspätung war der letzte Bus zurück dann jedoch schon abgefahren - wir steckten also mitten in der Pampa in einem kleinen Dorf mit maximal 80 Einwohnern am Fusse des Berges fest. Was tun? Wir klagten allen Besitzern eines motorisierten Wagens unser Leid (das waren insgesamt zwei Betroffene), doch beide wollten uns nicht mitnehmen. Sofort enstand ein Tumult, Leute riefen durcheinander, Kinder rannten umher, verständigten andere Kinder, dann Greise, dann wieder Kinder. Sie schwärmten aus und kamen wieder, wir bekamen in dem Durcheinandern nun gar nichts mehr mit, da in der Landbevölkerung niemand ein Wort Englisch sprechen konnte. Seltsamerweise überkam uns keinerlei Panik oder Unbehagen. Wie gesagt, es war nicht unsere erste Woche, sondern eine der letzten, und wir wussten bereits, dass in Indien alles irgendwie, irgendwann funktioniert - auch wenn das Chaos am Anfang eindrücklich zu überwiegen scheint.
Und siehe da, es wurde tatsächlich jemand geholt, bzw. gleich fünf, auf ein und dem selben Motorad sitzend, alle hintereinander auf dem ledernen Bock wie Sardinen in der Dose. Einer konnte sogar etwas Englisch und vermittelte uns eine Mitfahrgelegenheit in einem Kleintransporter voller Kisten und Kanister. Schnell noch ein Brett als Sicherung fixiert und schon ist das improvisierte Taxi fertig.
Es war zwar mächtig eng und nach zwei Stunden Fahrt über holprige Landstrasse mochten unsere Hintern die eiserne Ladefläche auch nicht mehr gern unter sich spüren - dazu fielen uns bei jedem zweiten Schlagloch die Transportgüter auf den Kopf, die wir aus Platzgründen mühsam an der Fahrerkabinenwand aufgestapeln mussten - jedoch blieb unsere Laune ungetrübt vergnügt und heiter.
Und noch bevor wir schliesslich die Hauptstrasse und damit auch die rettende Busanbindung erwischten, duften wir aus unserem Laderaum heraus noch zufällig Zeuge und Gast einer nächtlichen Hochzeitsprozession werden, in der wir nur schleppend vorankamen und die uns mit johlenden Rufen und wehenden Farbpulvern kanonengleich salutierte und begrüsste. Ein Ausflug, den ich so schnell nicht vergessen werde!
Oh, du wunderschönes Indien, wie mich deine Fremdartigkeit Staunen macht, deine Magie in den Bann zieht!
Du, mein Indien, ich verrate dir ein freudiges Geheimnis...
Ich komme wieder !!!
